Alter Ego

"Das eine Auge des Fotografen schaut weit geöffnet durch den Sucher, das andere, das geschlossene, blickt in die eigene Seele."

- Henri Cartier-Bresson -


In Tagen, wie diesen, in denen ich zur Ruhe komme, da denke ich darüber nach, was mir mein Leben und was darin geschieht wert ist und warum. Neben der Familie und meinen Träumen sind es vor allem ausfüllende Momente, die mich auf meiner Reise begleiten.
Zwei wirklich wichtige Leidenschaften haben mein Leben sehr eingenommen.
Das Schreiben & das Fotografieren.
Das Schreiben fungiert momentan eher als Erinnerung, so schwer lastet die Blockade auf meiner Seele und ich komme davon nicht los. Nichtsdestotrotz ist sie lebendig. Ich lasse mich noch immer inspirieren. Vermehrt auch von anderen mir eigentlich fremden Personen, doch auch immer öfters von den Bildern, die ich, versuche in meine Träume zu verwandeln. Nicht zuletzt beherbergen sie kreative Anstöße, die ich so dringend brauch, um die Muse erwecken, nur fehlt mir oft die Zeit mich ihr hinzugeben.
Die Fotografie ist für mich im Gegensatz zum Schreiben um einiges unmittelbarer. Ich mache das Foto, just habe ich das Werk erschaffen, das Ergebnis in den Händen. Dem entgegen steht der Schreibprozess. Der ist lang, ewig fast schon. Man braucht einen ziemlich langen Atem, bis man endlich befreit aufatmen kann und bevor man weiß, das Werk ist vollkommen. Es fehlt vor allem schwer das irgendwann überhaupt Zusagen. Ich als Künstlerin der Wörter möchte eigentlich nie, dass auch nur eine meiner Geschichten endet, zu sehr sind sie mir ans Herz gewachsen.
Man mag es kaum glauben, doch Geschichten, die ich vor zwei Jahren angefangen habe, sind mir heute immer noch so wichtig und mit meinem Herzblut angefüllt, dass ich sie um Gottes Willen nie aufgeben würde.
Wenn man so möchte, bedingen sich beide Passionen einander. Die eine kann ohne die andere nicht. Das ist mir persönlich auch sehr wichtig. Ich mache alles mit einem Hintergedanken und selbst, wenn ich mir die Hucke voll lüge und vor mir selber behaupte ich gehe mit freien Gedanken daran, dann tue ich es im Endeffekt auch nur für meine eigene Seele und das kleine Licht das Glückes drin und um ehrlich zu sein auch für das Biest, namens Muse. Die Fotografie ist für mich eine Reise. Wie ein Wegbegleiter. Für einen Menschen kann das auch ein Tier, wie Katze oder Hund sein, oder ein Mensch, für mich ist es dieser innere Dialog mit der anderen, kreativen Seite, gar Seele in mir.
Ich reise, also quasi mit mir selbst durch eine Welt, die mir unbekannt ist, ich jedoch ahne, dass sie schöner sein wird, als ich es für möglich gehalten hätte und sie mir den Atem rauben wird. Gerade überwältigende, prächtige Momente sind eine schwermütige Erlösung, um aus dem Alltag auszubrechen und sich frei zu fühlen.
Man muss wissen, ich als Wortverliebte, definiere für mich Worte anders, als sie vielleicht auf Anhieb verstanden werden könnten. Schwermütig trägt für mich eher den Geruch eines schwülen Sommerabends, zäh wie Honig, aber erfüllend schön, erreicht der Duft das Herz und löst dort Erinnerungen und Bilder aus. So erhellt dieses Wort meine Gedanken.
Es klingt verrückt und das ist es auch, doch als Schriftsteller muss man so eine Obsession entwickeln, sonst verliert man sich in den Worten all zu schnell und kann sie nicht genießen.Ich habe nie gelernt, als Kind auf das eigene Herz zu hören. Und dies jetzt zu erfahren, macht mich so unheimlich glücklich, dass ich bisweilen zerspringen möge, so schnell schlägt mein Herz in meiner Brust, wenn ich davon träume.
Ich habe in der kurzen Zeit, in der ich mich der Bilderhascherei hingebe, schon einige Stadien durchlaufen, die mich selber stutzen lassen und ich mich manchmal frage, ob es sein kann, dass ich so bin, wie ich jetzt bin und das in meine Fotografie lege, intensiver noch, dass das Schreiben sich parallel in dieselbe Richtung entwickelt und dabei nicht dasselbe Level hält. Können sie auch nicht, ich schreibe schon um einiges länger, als das Ich Lichtformer bin. Das macht die ganze Sklaverei der beiden Leidenschaften zueinander aus, als ob sie ein Feuer wären. Die eine Öl hineingießt und die Andere wiederum noch höhere Flammen anfacht, solange bis wir darin zerschmelzen.So nähren sich beide Leidenschaften, es sind eigenen Bilder, die ich betrachte und mich in ihnen verliere, und gar Geschichten sehe, die mir meine Seele so schwer werden lassen, weil sie nicht echt sind oder aber Geschichte den Anstoß zu einer Idee liefern, Portraits sogar von Menschen entstehen zu lassen, die so nah an der erfundenen Realität sind, dass es schmerzt, sie zu betrachten. Obwohl ich die Portraitfotografie immer scharf abgrenzen wollte, zu meiner kreativen Seite. Ich hoffe, dass diese Reise nie enden wird, denn auch wenn man an ein Ziel kommen sollte, dann auch nur, damit ich danach zum nächsten Horizont aufbrechen kann. In den Worten der Poetenseele in mir: "Die Flügel auszubereiten, den Wind zu fühlen, der blutroten Sonne entgegen zufliegen und eine neue Freiheit zuspüren." Jedes Mal auf ein Neues. Jedes Mal anders und doch jedes Mal überwältigend prächtig.
Dieser Song begleitet mich auf der Reise, dabei steht er nicht für Rebellion sondern für das Gefühl frei zu sein. Sich von allem zu lösen und neue Horizonte zu entdecken.

Mark Forster - Au Revoir








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