Warrior.


Ich hocke wie die Raben auf den Dächern der Stadt.
Unter mir der leuchtende Strom aus Metall und Asphalt.
Der Puls zäh und dumpf, doch wahrnehmbar überwältigend.
Die Gläser der Fenster vibrierend im Stummen Rhythmus der Zeit.
Rost und Benzin durchspült die Schluchten.
Wohin man schaut, Industrie, längst vergangen die Natur, ihres Schicksals gewichen.
Das Letzte, was uns geblieben ist, der Sonne apokalyptische Untergang.
Jeden Abend aufs Neue.
Und jeden Morgen die jubelnde Auferstehung.
Doch stellt euch vor, was passieren würde, wenn sich die Zeit verdreht.
Oben sei unten.
Dunkel sei hell. 
Was wahr war, ist falsch.
Und die Luft bleischwer auf unseren Schultern?
Verspielt unser letztes Leben.
Die Zeit der Krieger angebrochen, aufzuhalten, was aussichtslos ist.
Diese Schuld auf unseren Körpern lastend durchqueren wir auf bald die Wüste aus dem Dreck unserer Epoche.
Immer der Sonne entgegen, so möge sie uns endlich verbrennen.
Unser eigenes Blut soll endlich fließen für all die Sünden.
Für alle die Wunden und Narben im Angesicht unserer Mutter Natur.
All das Leid, die Qualen und Schmerzen.

Unsere Herzen verbannt, der Wille zu überleben versengt, die Haut auf unseren Körpern zerschmolzen zu einem Haufen Dreck.
Was birgt diese Leben für uns, wenn wir es jeden Tag aufs Neue verspielen und nicht sehen, dass der Einsatz höher ist, als wir uns vorstellen können?
Der Gewinn kläglich gering.
Was ist, wenn der ganz Dreck über uns zusammenschlägt?
Wir sind nur ein einziges Sandkorn im Gefüge der Mächte und erlauben uns zu erheben und als etwas Besseres zu erklären.
Wir wagen es unseren Platz zu verlassen, die Natur zurückzudrängen und erwarten keine Gegenwehr?
Die Strafe, der Gegenschlag wird hart.

Wird uns da treffen, wo wir am verletzlichsten sind.
Tief in unseren Seelen.
Da helfen keine Waffen geschmiedet aus Stahl.
Keine Krieger aus tonnenschweren Slaven.
Sklaven unserer selbst laufen wir stetig den Abgrund entgegen.
Der Fall wird hart, für viele tödlich.
Erbärmlicher noch die, denen aufgeladen das Schicksal der atemlosen Hast durch diese tote Welt, hinterlassen von uns!
Uns, der Kinder der Götter, weniger noch wert als das Universum selber.
Wie klein wir doch sind.
Nichtssagend.
Erbärmlich größenwahnsinnig.
Wie können wir nur?
Wie können wir nur?

Wir besitzen keine Flügel, erlauben uns doch zu fliegen.
Besitzen keine Reißzähne und erlauben uns so viel Beute zu erlegen, dass unsere Seele zu einem schwarzen Nichts verkommt.
Bieten uns an, als Allwissende der Schöpfung.
Wir sind dieser Erde so fremd, wie Wasser dem Feuer.
Wie die Sterne unserer Erde.
Schauen wir uns gegenseitig in die stummen Augen, hören wir das Schreien und Fehlen und doch überhören wir es!
Richten nach Belieben, wer Hilfe wert ist, statt bei dem Mist zu unseren Füßen abzufangen, den wir selber verzapfen.
Beginnen wir vor unserer eigenen Haustür alle zusammen, würden wir die Welt zu einem besseren Ort werden lassen.
Doch!
So ziehen die dunkeln Gestalten weiter ihre Runden am Himmel der untergehenden Sonne.
Ziehen vorbei an den lila Wolken, dem Ruß der dampfenden Schornsteine.
Dem kreischenden Metall der Zahnräder dem abgrundtiefen zähen Ticken der Turmuhren im fiesen unaufhörlichen Takt, mit den immer selben Gedanken in der Seele und Hoffnung im Herzen morgen wird alles besser.
Ich bitte nur darum, als Erstes unterzugehen.
Nein, ich will die Letzte sein, die das sinkende Schiff verlässt.

Will sehen wie wir uns zum ersten Mal richtig bewusst geworden werden sein, wie klein wir doch sind!
Und es doch zu spät ist und die Apokalypse bereits begonnen hat.
Wenn Metall in der Sonne zerschmilzt.
Glas wie Sand unter dem dumpfen Bass vibriert und in Abertausend Stücke zerspringt.
Wenn Dampfrösser unter dem inneren, unaufhaltsamen Druck zerbersten.
Wenn Asphalt explodiert und zur Erde hernieder rieselt wie Asche.
Wenn der Regen nach Salz schmeckt.
Rost wie Schnee zu Erde fällt.
Dann geselle ich mich wieder zu meinen schwarzen Freunden auf das Dach und Blicke auf das abartige Schauspiel unter meinen Füßen, bis der letzte Krieger gegangen ist.
Dann werde ich mich mit einem traurigen Lächeln verabschieden von dieser besseren Welt, die wir hätten sein können und in die Tiefe stürzen.

- Nóirín - 




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1 Kommentare :

  1. Tiefe Worte gepaart mit besonderen Bildern. Wenn ich ehrlich bin, den Zusammenhang zwischen Text und Bild habe ich noch nicht gefunden, aber vielleicht muss ich das auch nicht. Gefallen tut es mir trotzdem ;-)

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