Fernweh.

Der Anker fest angelegt, doch das Herz immer auf Reisen, einem inneren Kompass folgend.


  
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Karten-Design von Bookdresses Coverdesign

Wenn es losgeht, das Kribbeln unter der Haut, die Freudentränen in den Augen, dann weiß das Herz, es ist auf dem richtigen Weg.
Es sind die Sachen, die ich in den Koffer packe.
Ein Apparat, Leder überzogen, eine Tasche voll der 7 Sachen zu Leben und einem Block, der all meine Ideen auffangen wird.
Süße, kleine Schätze, die mir in den Sinn kommen, wenn ich in die glitzernden Punkte der Sonne schaue, bis es mir die Seele schwindlig macht.
Den Wolken beim Wandern am blauen Himmelszelt hinterher blicke.
Das Gras raschelnd Antwort gibt, auf die Bitte, sie mögen mich mitnehmen, wenn der Wind hindurchfährt.
Oder ich treibend auf der rauen See, in sie abtauchen möchte, fühlen wie sich die Massen des Meeres gegen meine Lungen drücken, das Wasser eine verschwommene, eigene Welt beherbergt.
Wahnwitzig einen Berg hinauf schleichen, nur um zu entdecken, welche Struktur er besitzt, welche Muster die Pflanzen und Tiere bilden.
Ich brauch dazu das Land.
Die Stille.
Ich will dabei meinen Pulsschlag spüren.
Möchte das Rauschen der Gedanken ohrenbetäubend wahrnehmen können.
Diese innere Explosion an Gefühlen, wenn die Sinne überflutet werden von den überwältigenden Bildern dieser Eindrücke.
Ich möchte meinen Anker auswerfen, aus den Blüten den Honig kosten, und all meine Liebsten an der Hand nehmen und sie in diese kleinen Welten entführen.
Diese endlose Straße, die mir so viel verspricht, ist es, die mir so viel zeigen wird.
Dieses Gefühl unter der Haut, wenn ein neuer Tag heranbricht und enthüllt, wo wir uns gerade befinden.
Diese kühle am Abend, die uns durch die Haare fährt, wenn wir lauschend im Sand sitzen.
Das Rauschen des Meeres säuselnd wie ein Wiegenlied.
Manchmal braucht es nicht mehr als das Himmelszelt mit seinen abertausenden Lichtern als wärmende Decke in der Nacht.
Wenn ich spüre, dass sich die Räder unter mir zu drehen beginnen, wird mir schwindlig ob der wunderschönen Vorstellungen mit denen ich diesmal heimkehren werde.
Mir stockt der Atem in der Brust, wenn diese Orte prächtiger sind als in meinen Träumen.
Diese Musik in meinen Ohren leise flüsternd, mich auffordernd immer weiter in goldenen Regen dieser Welt zu tanzen auf immer neuen Fundamenten in immer prächtigeren Ländern.
Zu erfahren, welch Zeit wo angekommen ist.
Wo die Welt stillsteht und wo sie sich so hektisch dreht, dass man kaum auf den Beinen bleibt.
Es sind Begegnungen, die uns verändern.
Nicht nur mit Menschen, sondern vor allem die Momente.

Und ganz besonders diese Reisen.

- Nóirín -
Karten-Design von Steven Dureck Art



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Am Morgen aufzustehen, den gepackten Koffer zu schnappen und die Tür hinter sich zu zuziehen, ist als ob man endlich in einen dieser Träume eintauchen kann. Es gibt Lieder, da liege ich auf einer Wiese, lausche ihnen und fühle mich sofort wieder in einer andern Welt. Ein anderes Land. Spüre vielleicht die Hitze einer nahe gelegenen Wüste oder rieche das Salz des Meeres, dessen Brandung stetig gegen den Sand prescht, sehe die bunten Wolken am Rand einer schroffen Küste zum Sonnenuntergang, hinter mir das saftige grüne Gras endloser Weiden.
Oder es brüllt mich die Stadt unter meinen Füßen an. Eine urbane, raue Melodie. Doch all das zusammen, vereint zu einer ganz eigenen Schönheit, das ist die Essenz, die die das Fernweh in mir zu einer unstillbaren Sehnsucht heranwachsen lässt. Sobald man aufbricht, hofft man befriedigt zurückzukehren, doch sobald seine eigenen Schätze, sei es die Familie, Tier oder eben nur die eigenen vier Wände um sich hat, spürt man dieses zähe Gefühl wieder, das wie Honig zurück in die Seele sickert. Diese familiäre Liebe ist nicht etwa der Grund zu rasten, nein, sie bestärkt mich darin zu ergründen, wohin mein Herz mich führt und all diese zarte Liebe im Herzen auf jede Reise mitzunehmen. Gerade sie spenden mir Kraft nach einer anstrengend schönen Reise, sie sind es die mir all das wie ein Traum vorkommen lassen. Sie sind und bleiben mein Anker, um den ich weiter meine immer größer werdenden Kreise ziehe. Am Ende des Tages sind sie es, die mir die sieben Sachen reichen, die 8. auf die Stirn geben und mit Freude darauf warten werden, mit welchen Geschichten ich zurückkomme.
Sie sind es die mit freudigen Tränen winkend am Ende dieser Straße stehen und mir und meinen Träumen eine gute Reise wünschen. Es ist für mich nie, als ob ich Abschied nehme, es ist, als ob ich für Sie die Geschichten einfange und ihnen als Geschenk mitbringe.
Diese Geschichten zu erzählen, auf den Polstern dieser alten Couch, auf dem Tisch die Erinnerung auf Bild gebannt, ja auch das gehört zum Fernweh. Und schon beginnt das Träumen von fernen Welten erneut und es gibt rein gar nichts, was es verhindert oder auch ein wenig lindert.
Dieser eine Blick aus dem Fenster, der sich nie verändert, verspricht auch mir Geborgenheit, Sicherheit und Liebe, doch was viel intensiver hinter diesen Mauern schlummert, ist dieser Wille all die kleinen Welten in unserer Großen zu entdecken. Sei es zu Fuß, mit tosenden Rädern unter den Füßen oder fast lautlos schwebend über den Wolken. Oder rastend an besonders überwältigenden Orten. Immer an der Seite dieser Apparat, der mir mehr Zauber als Technik erscheint. Was er erschafft, stillt die sehnsüchtigen Tränen, wann immer ich auf dem eigenen Bett liegend in denen auf Papier gebannten Erinnerungen und Geschichten verschwinde. Dem ganz eigenen Kopfkino Platz mache. Stunde um Stunde vergeht wenn ich diesen Gedanken nach hänge und manchmal sind sie so stark, dass sie mich weinen lassen. Freudentränen. Tränen, die bezeugen, dass diese Ferne zu mir gehört. Es ist nicht nur in dieser greifbaren Gegenwart ein Wunsch meiner Gedanken und meiner Seele, schon als Kind durfte ich mein Wiegenlied von der rauen See empfangen, es ist in meine Seele geschrieben, wie ein Manifest, diese Sehnsucht zum Fernweh. Jedes Jahr, auch wenn für mich in Gedanken nur einen winzigen Augenblick es war, die Geschichten der rauen See zu empfangen, ihre Ruhe spüren und sie oft auch in Sandgläser verpackt mit mir nehmen zu dürfen, so ließ sie nur noch mehr den inneren Lebenswunsch nach der Ferne reifen. Ja, irgendwann sind es nicht mehr diese durch die Hand rieselnden Erinnerungsstücke, sondern die Facetten, die sich in die Seele brennen, die die Gedanken mit einer neuen Nuance verfärben und das auf ewig. So hinterlässt auch jetzt jeder neue Ort, den ich erblicken darf, seine ganz eigene Geschichte und Moral. Geschichten, die einen warnen, die einen lehren, doch am meisten Geschichten, die einen verzaubern. Ich kehre oft nicht mit nur einer zurück. So entstehen, wie kleine zarte Pflänzchen, neue Ideen und sie häufen sich auf, wie Blumen in einem Garten. Ich ziehe aus dieser Sehnsucht eine so starke Inspiration, also ist es nicht nur das Erleben, sondern das Fühlen, was mir an diesen Reisen wichtig ist. Dieses einzigartige Gefühl, wenn der Auslöser klickt und ganz neue Geschichten entstehen und nur ich die eigene, echte zu erzählen weiß und sie doch oft für mich behalte, weil sie meine eigene Vergangenheit werden sollen.
Ich will all diese verschiedenen Gesichter der Welt kennenlernen, all diese Facetten sind so unvorstellbar für mich, dass ich sie mit meinen eigenen Augen sehen möchte.
Ich hoffe auch zwischen all dem meinen Platz auf dieser Erde zu finden, einen Platz, an den ich meinen Anker neu auswerfen kann. Auf diesem Kompass in meinen Händen nicht nur die Familie zu finden ist, sondern auch der Ort meiner Träume & Sehnsüchte. Am Ende all das vereinen zu können, wäre das Ziel. Solange dieses nicht erreicht ist, erfreue ich mich am Weg dorthin, denn er ist es, der mich so wahnsinnig macht einfach jeden Tag aufs Neue aufzubrechen. Und so vieles fängt schon vor der Haustür an. Einfach die Augen zu schließen und zu spüren, was die Welt um unser herum zu sagen hat. Orte, die uns so bekannten vorkommen, können genauso intensiv sein, als ob man in den Flieger steigt und abertausenden Meilen von zu Hause in diese gewaltige Schlucht seine Wünsche brüllt. Ich erkenne zwar das Große und Ganze noch nicht und vor allem auch nicht das Ende, doch gerade das macht es so spannend. Obwohl jede kleine Etappe ihr Ziel kennt, ist es diese große Reise, deren Ziel ich nicht kenne, die mich so sehnsüchtig hinter dem heimatlichen Fenster sitzen lässt, vor allem dann, wenn der Regen dagegen klopft. Zu wissen, das Ende wartet noch sehr lange auf sich und jeder Schritt weiter, kann mich neue Welten entdecken lassen. Ein kleine, aber handfeste und lebensbestimmende FernwehMELANCHOLIE




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Dieser Post widmet sich dem Thema 
- Was bedeutet Reisen für mich? - 
Einige andere Reise-Verliebte haben sich auch dieser Themenwoche angenommen. Ich bin die Letzte im Bunde, all die anderen haben mir schon den Kopf verdreht mit ihren Erfahrungen und Bildern. SEHENSWERT! 
 Die anderen Artikel sind hier zu finden:
MONTAG: Terrorpüppi & Kermitchens Welt // DIENSTAG: Living the Beauty & Msiemund // MITTWOCH: Anna Nikabu & C over the top // DONNERSTAG: Underclass Hero & Chamy travels // FREITAG: 5 p concept & Lavender Province // SAMSTAG: Windhuber & Weibi // SONNTAG:  Noirin & Lyra & Süchtig nach



3 Kommentare :

  1. ich schaffe es irgendwie nie, meine gedanken zum fernweh in worte zu fassen, deswegen gefällt mir dein post umso besser! schöner beitrag! :)

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    1. Mir fiel es auch wahnsinnig schwer. Und was da oben geschrieben steht, ist wohl nur ein kleiner Tropfen der Essenz in meinem Herzen, der hier kurz sichtbar gemacht worden ist. <3

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  2. Hey =)
    Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und total begeistert! Du hast auf jeden Fall einen Follower mehr =D

    LG
    Elisabeth
    http://elisabethgatterburg.blogspot.co.at

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