blæŋk & blaɪnd

Blank & Blind


Ich starre die leeren Bilderrahmen an der Wand an.
Hoffe, dass sie irgendwann Gesichter tragen.
Doch jetzt strahlt die Wand dahinter nur ihr bitterliches Weiß hinaus.
Und wann immer ich danach greife und versuche ihnen Bilder zu schenken, werden sie nur grau und verblassen so schnell, wie ich mich von ihnen abwende.
Die Bilder dahinter zerfallen zu Staub, als ob sie nicht echt wären.
Als ob sie nur Illusionen meine Fantasie seien, geschaffen aus den Bildern in meinem Kopf.
Die Rahmen alt.
Uralt.
So viele Geschichten erzählend, ist ihre Mitte taub und blind.
Kein Wort ist von ihnen zu hören.
Kein Bild und sei es noch so verzehrt, ist wahrzunehmen. Als ob, das alles nur ein schrecklicher Scherz sei.
Ich möchte so gern mehr darin sehen.
Mehr als nur Abbilder von Menschen, deren grobe Züge hinter dem Glas leblos erscheinen und zu Asche zerfallen.
Ich möchte sehen, wie sie sich verflüchtigen und lebendig werden in ihren wunderhübschen Rahmen.
Mir ihre Geschichten erneut erzählen.
Ich möchte mit ihnen weinen.
Mit ihnen lachen und ihnen die Hand reichen können.
Und auch wenn dies nur in der Erinnerung ist, so möchte ich noch mal eins werden können mit den Worten, die sie mir flüstern.
Sie könnten mir so viel zeigen, doch ich sehe es nicht.
Kann es einfach nicht wahrnehmen.
Manchmal drücke ich dann meinen Kopf gegen die Wand.
Schließe meine Augen.
Versuche die Hitze aus meinen Venen zu treiben und meine Gedanken ruhig zu stellen.
Einfach nur Leere und Kälte heraufzubeschwören.

So erhitzt mein Körper, rinnen mir die Tränen über die Wangen.
Jedes Mal, wenn ich mich ihnen nähere, jedes Mal, wenn ich glaube es sei endlich anders.
Jedes Mal, wenn ich mich so sehr danach sehne nicht mehr nur die verblassten Farben zu erkennen.
Ich bin es leid.
So leid.
Doch ich muss es akzeptieren, dass ich meiner selbst nicht entrinnen kann.
Meine Haut nicht abstreifen.
Meine Gedanken nicht vergessen.
Wir alle tragen Masken.
Masken, die wir so lange schon an uns haben, dass, wenn wir versuchen sie abzusetzen, immer ein Stück Haut unser Eigenen entreißen werden.
Mich machte sie blind.
Macht mich verzweifelt und doch glücklich.
Denn ich erkenne keine Masken mehr.
Ich erkenne die wahren Menschen, auch wenn sie manchmal von Nebel verschleiert in ihrer eigenen Welt tanzen.
Erkenne, wann man mir die Hand reicht und wann man mich lieber tief in den Abgrund stürzen möchte.
Mir scheint, so ist es besser für mich.
Für mich und meine Seele.
Meinem Glas der Erinnerungen, in dem jeder Platz findet, wenn er nur tief genug in meine Seele dringt.
Wenn er nur weiß, wie man meiner Maske entrinnt.
Dahinter blickt und mit mir zu träumen beginnt. 


- Nóirín - 


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