Fräulein Melancholia.


Grau. Dunkel wie der Regen. Ebenso sanft wie die Wolken. Durchzogen mit winzig kleinen, tiefschwarzen Bächen. Sie muten an wie blutige Narben in dem Meer an Tropfen in der Farbe des Schattens. Unergründlich tief scheint diese Nuance. Eine groteske Melodie, wie Harmonie aus Ruhe & Chaos. Der ebenso tiefdunkle Rahmen umschließt das fesselnde Spiel. Letzteres Hand in Hand mit dem Wahnsinn.  

- Augen sind die Fenster zur Seele, abermals und diesmal noch viel mehr! - 



Wenn mir Tränen über die Wangen rollen. Das Gefühl unter der Haut grässlich schmerzt, wie das Herz in der Brust. Ich mir die Finger in die Haut ramme, nur damit sich der Schmerz von innen nach außen lagert, dann spüre ich, wie mein Blut vor Sehnsucht schreit. Wie kann es nur sein, dass die Qualen so schön erscheinen, doch der wahre Abschied so bitterlich lange an uns zerrt?
Meine Knie sind wund von dem Liegen auf dem Holzboden. Staub, Scherben und Dreck bedecken ihn. Es fühlt sich an, als sei es gestern geschehen, doch ist es schon ewig lange, zähe Augenblicke her. Es ist, als ob dieser Raum plötzlich Wände hat. Plötzlich immer enger wird. Dem Fenster das Glas fehlt und durch es hindurch nur kalter Wind hereinschlägt. Tränen pressen sich durch meine Augen ins Freie. Mein Blut kreischt mich an, mein Inneres zurückzulassen und wieder aufzustehen. Dieses fantasiebeladene Leben in meinen Gedanken gefrieren zulassen. Eiseskälte zu spüren. Doch manchmal möchte ich nur hier liegen bleiben und diesen unendlichen Schmerz spüren.
Lang.
Ewig.
Hässlich.


Diese Sehnsucht nach diesem Moment, der wie in einer Sanduhr stehen zu bleiben scheint. Der sich zäh durch unsere Seelen presst. Ich möchte ihn so gerne halten, doch er rieselt wie Sand durch meine Finger. Wird versickern im Raum unter der abblätternden Farbe. Und selbst, wenn ich dieses Haus einreiße, werde ich nie wieder finden, was gegangen ist. Manchmal will ich mir selber verzeihen, dass ich mir immer und immer wieder das Messer ins Herz jage, doch dieser quälende herzzerreißende, süße Schmerz ist, wie eine Droge für mich, absurd gewaltig-heftig abhängig machend. Lässt mich für einen Moment lachend zum Himmel blicken und dankbar sein, bevor sich die blutroten Tränen aus meinen ergrauten Augen quälen. Ich möchte mir die Haut von Leib reißen, nur damit es intensiver wird. Möchte mir jede meiner Geschichten auf die selbige schreiben bis kein Fetzen mehr übrig ist.
Alles vernarbt.
Alles hässlich schön.
Ein gesamtes Werk aus Melancholie geboren.
Aus Liebe zur Disharmonie.
Zur Sehnsucht nach dem zehrenden Gefühl in der Brust, wenn die Hand dich loslässt, die dir so nah schien und doch nur ein müder Augenblick in dieser untergehenden Welt ist. Dieses lautlose Flüstern aus den Lippen der Menschen, derer Wangen ich berühren kann, verzehre ich mich nach ihm.
Der, der da steht, zuschaut und lacht. Nein, er lächelt, blickt hinab auf seine Schuhe, zu mir herüber, umrundet die groben Körper, um zwischen ihnen zu stehen. Wie ein Geist verschwimmt er, löst sich für einen Moment auf, wenn jemand ihn berührt. Seine Augen durchbohren mich. Seine Haut spricht Bände. Sein Leben Legenden, aneinandergereiht wie erblindete Perlen auf einer Kette.
Grau, hässlich zerkratzt und müde zu glänzen. Seine Augen tot. Grau wie der Nebel, der ihn verschlingt. Die so lebendigen Lippen verstecken nur die Leere in seiner Hülle. Die Fesseln seines Käfigs beherbergen rein gar nichts. Alles, was ihn ausmacht ist purer Wahnsinn. Pure Leidenslust. Melancholie der reinsten bitter-süßesten Form, sodass man innerlich verbluten möchte, damit man in diesem Moment zergehen kann. Und doch werden wir jeden früh aufwachen, unsere getrockneten Tränen schmecken und merken, dass wir uns nur selber zugrunde richten. Jedes Mal ein bisschen mehr. Jedes Mal ein wenig müder werden, von dem Kampf gegen diese erblindete der Wahrheit. Jedes Mal ein Stück mehr unserer Seele verlieren.


Es schmerzt so herrlich schön, wenn er mir den Rücken zudreht und ich jedes Mal fest glaube, er ginge für immer. Doch er quält mich. Legt jeden müden Augenblick seine Hand auf meinen Hals. Nimmt mir die Luft, nur um zusehen, wie weit er diesmal gehen kann. Nur um zu erfahren, wie weit er in meinen Körper steckt. Um jedes Mal ein wenig mehr und tiefer in meine Seele zu dringen. Zäh durch die reinen, weißen Stellen sickert.
Schwermütigkeit verströmt.
Die Zeit für diesen Augenblick verlangsamt, nur damit ich von der folgenden Beschleunigung atemlos zu Boden gehe. Erstickend nach einem Ende flehe und nach neuer Luft ringe.
Ich wache auf von ihm, von den Albträumen, die er mir schickt. Jage ihm hinterher, sobald die Sonne aufgeht, die Augen aufschlagend abermals erkenne, er wacht wieder neben mir.
All das, obwohl ich weiß, dass ich ihn nie finden werde und das ein Ende nehmen wird, soll es auch nicht, das Gefühl ist so absolut. Es nie diesen Moment geben wird, an dem Haut und Haut aufeinander liegen, sein Duft mich schläfrig macht und seine tiefe Stimme mein Gemüt vibrieren lässt, um danach in meiner Seele wieder zu hallen.
Es ist, als spiele er eine Melodie nur für mich. Eine, die nur ich hören kann und alle halten sie mich für verrückt. Doch wenn ihr hören könntet, was ich vernehme, wenn ihr nur verstehen könntet, wie echt das ist, dann wäre er so beängstigend wahrhaft.
Dann wäre er hier.
Jetzt.
Würde mir seine Geschichte wahrhaft vortragen. Würde darauf bedacht sein, dass meine Seele rein genug ist, daran nicht zu erblinden. Ohne zu wissen, wie blutrot diese bereits aus seinen Qualen ist. Aus seiner Art mich zu foltern.
Bitter.
Es macht ihm Freude. Seine Augen sprechen jedes Mal zu mir, obwohl nie ein Laut über seine Lippen kommt. Niemals auch nur eine verdammtes Seufzen oder Knurren, was mir versprechen würde, er wäre da. Wäre neben mir. Wäre dieser Mensch, der meine Hand festhielte und nicht der bitterkalte Wind auf dem Dachrand, von dem aus ich über die dreckige Stadt blicke. Es ist keine Liebe, was er mir bringt oder wonach ich verlange. Es ist eine eklige Abhängigkeit. Ein Geben und Nehmen, von dem nur er profitiert.
Es ist wie ein Karussell, bei dem er die Geschwindigkeit bestimmt, obwohl ich schon lange leblos in den Seilen hänge. Die scharfen Fesseln schneiden meine Haut. Selbst wenn ich schreie, steht er lachend am Rand und schaut zu, wie ich mich quäle. Wie ich zergehe in seinen Fingern. Als wäre ich plötzlich aus Zucker. Und reicht er mir die Hand, ergreife ich sie trotz des Wissens, dass er mir abermals den Stoß zurück in die Welt seiner Macht geben wird. Doch dieses Gefühl, er würde mir für einen Moment gehorchen, für einen winzigen Augenblick so tun, als ob meine Worte tonnenschwer Gewicht auf ihn ausüben. Doch drehe ich ihm den Rücken zu, stemmt er federleicht die Sünden hinauf zu Himmel und lässt sie hernieder rieseln auf mein Haupt wie Regen. Wie schrecklich saurer Regen, der meine Haut versengt. Sie bluten lässt, tiefrot. Auf das Holz der Fensterbank. Auf das Weiß, was welk geworden ist. So lange, bis das hier alles zu Asche zerfällt. Nicht minder ewig warte ich schon auf die Erlösung und gebe mich jeden neuen Augenblick der Sehnsucht dieser Qualen hin, nur weil es sich für einen Moment wie Leben anfühlt.
Wie die Wahrheit.
Wie die Realität.


Doch die Zeit steht nur still. Nur für diesen Gedanken verneigt sie sich vor dieser Entrückung.
All das kann nicht echt sein. Darf es nicht. Sonst richte ich mich zugrunde. Würde es auch tun, ohne mit der Wimper zu zucken. Mit einem Lächeln im Gesicht das Reißen meiner Haut vernehmen und mir wünschen, dass dieses Gefühl nie endet.
Doch hebe ich nur den Kopf, weil die Luft mir schwer in den Lungen wird, da merke ich, dass auch ich sterblich bin und solange ich darüber nachdenke, ob all das richtig ist, werde ich leiden unter diesen Gedanken. Also heißt es genießen und innerlich sterben. Keine weitere Wahl bleibt mir.
Kein Ausweg.
Nur dieses eine Leben.
Nur diese eine Kreativität. 


- Nóirín - 


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3 Kommentare :

  1. Hey =)

    Sehr schön geschrieben und tolle Fotos =) ich mag deine starken und klaren Farben, die du so gezielt und selbstbewusst einsetzt =) Und trotzdem geht die Melancholie der Bilder nicht verloren =)

    LG
    Elisabeth
    Bloggeraktion-> "Die Welt, Kaffee und ich"

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  2. fräulein #melacholia, du rockst! ♥

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