Polaroid.

Asche und Staub, dazwischen das Glas auf diesem rauen Holzboden.


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Ich blicke auf das weiße Papier. Der Rahmen um das tiefe Schwarz schreit mich an. Ich frage mich, warum ist es so schwer, dich auf Bild zu bannen? Dich und deine unzähligen Geschichten?
Wenn ich die Augen schließe und über deine Haut fahre, über die Bilder, die mir leise säuselnd deine Geschichte erzählen, dann wünschte ich, wenn ich versuche sie einzufangen, sie ebenso zu lesen, wann immer ich das Polaroid von dir betrachte.
Doch mehr als der zu tiefe Kontrast auf deinem Gesicht bleibt mir nicht. Deine Augen scheinbar leer blicken hinab zu deinen Händen. Sie waren geöffnet, unter den Manschetten die groben Bilder, die filigranen Linien, das traurige Lachen, wenn du hinauf blickst, zwischen uns dieses Stück Zeit, dieser Moment, dieser Augenblick, der uns plötzlich verschmelzen ließ, nur für einen Herzschlag.
So verlangsamt die Zeit zu stehen schien, so plötzlich nahm sie wieder an Fahrt auf. Begann zu rasen, wie mein Herz, begann mich zu überschwemmen mit Schmerz. Mit bitteren Gedanken. Mit Tränen auf den Wangen.
Mir war nach Schreien, nach fehlen, doch noch viel mehr nachgehen! Nach Befreiung, nach Freiheit von dir. Doch wann immer ich dieses Polaroid betrachte, diese Lippen sehe, die zu mir sprechen, dann muss ich unwillkürlich lachen, muss ehrlich gestehen, dass mehr darin liegt. Mehr in diesem Bild zu finden ist. Mehr, als dieses Bild je zeigen könnte, vereint ist von mir, von dir von der ganzen Welt und darin verpackt in ein Glas meine Seele. Zäh flüssig, wie Honig in der Seele, sickerste du in meinen Verstand.
Neben dir stehend würde ich gerne über die Stadt schauen, mich fragen ob wir nicht wie Ikarus zufliegen vermochten nur mit der Macht unserer Fantasie?
Als du gingst, wollte ich nichts sehnlicher als zu erfahren, wie deine Küsse wohl schmecken würden, wie deine Haut duftet, doch mehr als die Erinnerung an deine raue, zähe Stimme bleibt mir nicht. Und dieses Polaroid zu meinen Füßen, in Flammen stehend dein Körper darin. Das Papier sich wellend und kohlrabenschwarz werdend verblasst du genauso, wie du entstanden bist. Und mit dir deine Geschichten. Deine Stimme, deine Macht, deine unendlich aufopfernde Seele. All das geht dahin, wie auf einem Polaroid, das zu lang in der Sonne gelegen hat.
Ab jetzt reise ich ohne dich an meiner Haut und doch mit dir, weil du meine Seele verflochten hast. Meine Augen geöffnet, obwohl ich weiterhin blind bin. So erkenne ich jetzt umso mehr, wie weit nach oben dieser Himmel noch geht und wie weit ich Fuß vor Fuß setzen muss, um das Ziel zu erreichen. Ein Ziel, das mir unendliche Weite verspricht. Kraft und eine neue Freiheit.
So gedenke ich deiner Hilfe, für einen kurzen Moment nahmst du mich an die Hand und führtest mich. Es fühlte sich so unendlich richtig an und das im Angesicht des Abschieds. Und nun, da ich jeden Augenblick genossen habe, weiß ich, dass es deine Aufgabe war. Nicht mehr und nicht weniger. Ich weiß noch, wie deine Haut auf meiner kribbelte, als sich deine Hand von meiner löste und du mit einem Nicken zu einem Hauch aus Nebel verschwandest. 

Fragment.
- Nóirín - 
 
  
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