Das Gewicht von Dankbarkeit

Dankbarkeit & Zeit vereint zu einem Bündel aus bekleckstem Papier und etlichen, triefenden Zeilen.


Ein Rückblick.
Es ist, wie eine Blende die sich öffnet. Man beleuchtet diesmal nur genauer. Sieht noch mal genauer hin, was wohl dort noch im Versteckten lag.
Eigentlich bemerkt man nicht, wie viel ein Jahr, 365 Tage zu geben hatten, was man als Geschenk erhalten hat. Und das Schönste ist, nichts und niemand in der Welt erwartet einen gleichwertigen Zug von uns. Dankbarkeit sollte das Einzige sein, was uns erfüllt, wenn wir daran denken.
Mein Jahr. Ist zum bersten gespannt und vollgestopft. Ein Jahr, das zu klein gefasst ist für die aufregenden Dinge die letzten Sommer, Sommer 2014 richtigen an Fahrt aufnahmen. Nicht zwangsläufig gen Himmel, sondern einfach mich mitnahmen auf eine neue Reise. Abholten an dem Bahnhof, dem Punkt, an dem ich schon lange gewartet habe. Aber nicht, weil es der Zufall so wollte, sondern weil ich an mir endlich wachsen wollte. An mir heraufsteigen und schauen, was ich hinter meinem eigenen Horizont erblicken kann.
Ich entsinne mich an die Brücke, über die ich gehen wollte. Ich blicke auf den Weg zurück, den ich von da aus beschritten habe. Er ist lang, aber nicht so weit weg, dass ich die Brücke nicht mehr sehen würde.
Wieso?
Weil hier zwischen diesen Zielen, Träumen und Reisen mein Anker liegt. Weil das alles aufeinander aufbaut. Das eine ohne das Andere nicht existieren würde. Ich liebe es darauf zu blicken. Jede Erinnerung durchzublättern. Finde jedes Mal ein neues Stück für meinen kleinen Seelendiamanten. Ich schleife ihn nicht, damit er rein wird, er soll im Gegenteil eher rauer, kantiger, schmutziger werden. Mit einer Patina aus Staub und Rost überzogen. Kupferndes Grün an den Kanten.
Wieso?
Diese Frage stelle ich mir schon lang nicht mehr, denn meine Gefühle leiten mich. Mein Herz hat das Steuer übernommen und schippert völlig von allein über die Kanäle oder bisweilen Ozeane.
Auch wenn ich es nicht gerne zu gebe, sind Seelen, echte Seelen, Freunde in mein Leben getreten, die mich bereichern. Ihren Dank für meine Dankbarkeit, dass sie da sind und sind wie sie sind, schlage ich immer aus, denn ich handle nicht aus Liebe zu ihnen, sondern aus Egoismus. Natürlich erhalte ich Loyalität, die ich im selben Maße zurückgebe und darüber hinaus empfinde, doch im Inneren tue ich all das nur, weil sich diese Momente der Inspiration, des Glückes, der Melancholie, der Reisen, der Leidenschaft und Sehnsucht so unbeschreiblich schön in meiner Brust anfühlen und von dort in meine Seele sickern. 
Egoismus in der wohl reinsten Form. 
Meine Dankbarkeit versuche ich vollkommen uneigennützig in Hilfe und Opferbereitschaft zu zeigen, derweil ich weiß, dass sie schon viel länger wissen, das meine Dankbarkeit auf ihren Körpern liegt.
Ich möchte dankbar sein für dieses neue schillernde Leben voll Farbe, Träumen und Erfahrungen. Dieses Stück Funken in dieser Welt neben der harten Realität, die auch ich besitze und es liebe, hart daran zu arbeiten, sie schöner erblühen zu lassen. Doch eben die Existenz dieser kleinen Welt, erschaffen durch mich, durch mein Zutun, mein Arrangement der Teile zueinander, dass macht mich glücklich. Es ist, als ob ich ein Bilderbuch aufschlage, das nicht mir gehört. Nicht von mir verfasst wurde und doch meinen Namen trägt. Gefüllt mit alle dem, was aus meinem Herzen blutet. Eines, was ich mir immer wieder aufs Neue anschauen muss, um nichts zu vergessen, derweil quillt meine Seele über und ich muss wieder neue-alte Erinnerung auffrischen und hinein tropfen lassen, wie Tinte in Wasser. Zähflüssig und langsam, damit ich nichts verpasse.
Es ist wie eine große unendliche Reise, mit allem was dazugehört. Mit Höhen und Tiefen. Mit einem reißenden Sturm an einem Abend, der droht alles zu kentern und am anderen ziehen lila Wolken mit uns zum Horizont, derweil sich die Sonne zum Schlafen neigt.
Oder aber Regen begleitet meine stumme, in den Wind summende Melodie. Manchmal irre ich auch umher, merke das mich eine brausende Wellenwand entschleunigt und versuche eben auch solche Momente als Geschenk zu nehmen. Umzukehren und neue Augenblicke auf diesem Ozean zu finden. Sie zu nutzen, um Luft zu holen, bevor ich erneuert aufbreche und wieder abtauche auf der Suche nach immer neuen Farbklecksen in diesem Gedankenozean. Damit die Luft für meine Seele in meinen Lungen nicht hinaus gesaugt wird, bis sie leer steht.
In anderen beschleunigt es mich so sehr, dass mir schwindlig wird. Dass ich gar nicht weiß, woran ich mich festhalten soll. Und so gleiten mir viele der Eindrücke, nach einem Feuerwerk in meiner Seele, wie Sand durch meine Finger. Zum Glück gibt es die Fotografien. Die kleinen Lichter, die zu lebendigen Erinnerungen werden. Dieses Stück schillernder Staub, dass ich wieder am kaputten Prisma festheften kann. Hinein pressen, damit sie darin versickern, wie zäher Honig.
Es hört sich an wie ein Traum, wenn ich vor mich hin säusle, dorthin hat dich der Wind getrieben, dort hast du Menschen getroffen, die dir unter die Haut gehen. Andere wiederum erkannten sofort meine Seele, diese kleine eigene Welt umspannt von der Melancholie. Herrlich, wie sich das anfühlt. Ich liege nachts wach, erblicke die abertausenden Sterne am Horizont, und wie ich mich frage, wie es wohl ist mit ihnen zu reisen, frage ich mich, wie es sein kann, dass so etwas so intensive Spuren in meiner Welt hinterlassen kann, dass es mir selber schwindlig wird. Das es mir die Lungen zu presst und den Atem nimmt, sobald es mich erfasst. Doch dann sage ich mir, wir sollten die Gedanken nicht bündeln und einsperren, sondern freilassen und das ist es, was wir sollten. Nicht zerdenken. Einfach dieses Geschenk annehmen und wenn wir uns ganz wohl fühlen, so tanzend im Regen, dann sollten wir einfach nur dankbar sein. Ein Wort das so wenig Gewicht tragen kann, doch diesmal trägt es mehr als diese Erde aufbringen kann, mehr als das Universum um uns herum, denn diesmal trägt es dieses kleine bisschen Gewicht, was das Zünglein an der Waage ist. Diese kleine, unsere eigene Welt in unseren Händen in Form, für mich, eines blinden Diamanten. Bekleckst mit farbigen Funken aus Dreck, hängen geblieben an der sowieso schon rauen Oberfläche und all das, was wichtig ist, wird hinein sickern ins Innere. Sich verankern und niemals mehr verloren gehen.
Vielleicht eine leise, verrauschte Melodie wahrnehmend, aber nur wie ein verdrehtes Echo ganz weit weg.

Danke.


In Widmung für die Seelen im Wind und vor allem aber an meine Reisebegleiter, die Familie, um die mein Anker haftet beschützt und Schutz erfährt.

- Nóirín -



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