Momentliebe.

Was erwarten wir vom Leben eigentlich? 


Zu allererst begeben wir uns auf die Suche, doch nach was?
Die meisten würden hier wohl „Nach der Liebe.“, antworten.
Doch ist es wirklich das, was als Wunsch in uns verankert ist? Ist es nicht eigentlich viel mehr, als dieses eine Wort, was nicht mal imstande ist all das wahre, echte zu beschreiben? 


Ich für meinen Teil begehre den Moment, nicht diese Seelen, nicht das, was wir sind, sondern das was wir in diesem einem Moment tun. Das hört sich verrückt an und genauso fühlt es sich an. Aber es fühlt sich auch wahnsinnig gut an! Und ist das nicht, was wir suchen und finden sollten, dass es sich gut anfühlt, egal, was wir tun, und sei es noch so ein kleiner Moment? Natürlich ist es ein Sprung über sich selbst, zu fühlen, doch nie mehr zu begehren, als was es ist. Ein Augenblick in sich zu ruhen mit jemanden an der Seite, sei es ein Mensch, der dir zuhört, der sich mental zu dir neigt, deine Nähe spürt und deine für einen zähen Moment aufnimmt, oder jemand der deine Sinne versteht, der deine Fantasie gefangen nimmt und die Zeit für einen Moment festhält, um sie um dich zu drehen.
Gerade, wie ich hier so sitze, habe ich Angst dieses Gefühl zu verlieren und in ein schwarzes Loch zu stürzen, aber ebenfalls tut es so gut zu erkennen, dass zwischen Liebe, Freundschaft und Mensch sein noch so viel mehr zu finden ist. Mehr, was unsere Seele beflügelt, mehr als das, was man auf dem Papier findet.
Man könnte meinen, ich sei blind, verstehe nicht was Liebe ist, und ich gebe diesem Menschen recht. Ich weiß es tatsächlich nicht. Höre zu, nehme wahr, wie Menschen vergehen, weil sie sich in einer ruhelosen Liebe verlieren, spüre ihr Leid, ihren Schmerzen, doch ich trage dieses Gefühl nicht in meinem Herzen, trage es nicht, sodass ich es bei ihrem Anblick auch nicht fühlen kann. Es scheint mir so weit weg, dass ich es nicht greifen kann. Im selben Atemzug sehne ich mich sehr wohl nach solch einer Intensität und diesem Gefühl in meinem Körper. Doch ich kann nicht nach einem Horizont suchen, von dem ich nicht weiß, dass er existiert, für mich ist er nur eine Illusion.
Mir zieht es gerade das Herz zusammen, wieso? Ich sehne mich nach diesem letzten Moment, nach dieser Nähe, nach der Zweisamkeit, aber es ist minder wichtig, wie viel Drumherum wesentlich ist, wie lang das in die Zukunft reicht, wie es aus der Vergangenheit gewachsen ist. Es ist nur wichtig das dieses Gefühl und sei es dem Herzen noch so nah, sich so verdammt gut anfühlt, dass es wie ein leichter Flimmer über dem Herzen liegt, solange man es genießen darf. 

Den Moment begehren, nicht das Gefühl.
Ich habe irgendwo auf diesem Weg zu mir selber etwas aufgehoben, von dem ich nicht wusste, was es war. Und wünschte, es sei etwas für meine Kunst, aber es war wohl etwas für meine Seele und dieser kleine Schatz macht es mir so leicht zu begehren, aber mich niemals zu verlieren, zumindest solange sich dieses Gefühl hält. Es ist, als ob man es wenigstens versuchen würde zu lieben, doch diese Schienen im Nichts aufhören und dieser Zug gegen einen Rammbock prallt. Ich mag Menschen, die das teilen, mag es, zu hören, dass mich als Art Genuss sehen, sei es die Kunst, die Freundschaft oder die Zweisamkeit. Und sie sehen es als das, was es ist, nicht mehr und nicht weniger.
Es tut so gut frei wählen zu können, zu begehren, sich zu sehnen oder zu genießen. Immer so wie einem der Kopf danach steht. Das ist für mich eine Art Freiheit, von deren Existenz ich lange nichts wusste. Ich bin dankbar für dieses Gefühl, muss lächeln, wenn ich daran denke.
Dennoch wünsche ich mir beim Anblick dieser traurigen Seelen, verloren ihr Glück, empfinden zu können wie sie. Diese wahre Liebe, diese Zuneigung zu einem Menschen, dass allein der Anblick schmerzt, so sehr liebt man. Dieses Verderben, das man spürt, würde dieser Mensch dein Leben verlassen.
Ich behaupte für mich, dass auch ich das finden kann, dass auch ich aus einem Moment viel mehr ziehen kann und auch wenn dieser zuvor Abertausende Mal geschehen ist, ohne auch nur einmal mein Herz zu berühren. Denn mein Ziel für diesen Weg ist es, dass es sich gut anfühlt!
Ich möchte ebenso einen Kryptonit-Mensch besitzen, ganz nah neben meiner Seele, möchte ihn besitzen, auch nur für einen Moment, aber ich möchte auch diese eine Schwachstelle, für die ich sterben möchte und würde.
Doch momentan blutet mein Herz nur für die Familie, für das, was sie mir schenken, Geborgenheit und Vertrauen. Solange ich das nicht in einem Menschen, der mir ferner liegt, finde, genieße ich diese Freiheit meinen Geist auf jede erdenkliche Reise zu schicken, auf jeder Wolke zu schweben, ob mit oder ohne nahen Freund an meiner Seite. Vielleicht ist es auch die Unabhängigkeit oder die falsche Sicherheit, dass dieser oder jener Freund nicht nur einen dieser Moment mit mir teilte, sondern auch dass ich sehr wohl weiß, wo er zu finden ist und seine oder ihre Türen mir offen stehen.
Aber was ist schon eine falsche Sicherheit, wenn sie sich gut anfühlt?
Unterm Strich bleibt es doch das, egal wie hart der Aufprall sein wird, dass sich der Flug, der Höhenflug, so gut angefühlt hat. Dass diese Freiheit greifbar wird und echt ist.

Ja, ich bin auch nicht davor gefeit Schmerzen zu empfinden, mich zu verstecken in der dunkelsten Ecke und zu überhäufen mit Scherben, wenn ich am liebsten die Augen für immer schließen möchte, weil die Welt scheinbar so ungerecht ist. Aber ich habe geliebt, nicht unser Liebe, wie die Liebe, die wir bezeichnen. Sondern das Momentbegehren und das darin zu lieben, zu lieben, wie das, was wir selber sind. Unsere Seelen zu lieben, sich kurz überquellen zu lassen und zu hoffen, dass wir sie damit nicht vergiften und am Morgen gebrochen von Gefühlen aus diesem Rausch aufwachen. Bis jetzt liebe ich diesen Weg, es fühlt sich gut an, wenn auch etwas verrückt, da ich es nicht hab kommen sehen, aber ich möchte diesen Weg weiter gehen, diesen neuen Horizont entdecken, denn ich glaube, er wird doch, auch wenn er so einsam scheint, so wenig Liebe behaftet, der sein, unter dem ich meine wahre Liebe finde. 
 
Liebe ist für mich ein Zustand, der nicht nur im Herzen Einzug hält, sondern in der Seele, im ganzen Körper in den Poren der Haut, im Pulsieren des Blutes, dem Kribbeln in den Finger. Und auch im Bauch, wenn dieser voller Schmetterlinge zum Bersten angefüllt ist. Dieses Brennen in der Lunge, wenn seine Haut die deine berührt oder wenn sie ihm ein Lächeln schenkt. Dazwischen die Küsse, das Begehren, die Lust. Immer verziert mit tief gehender Zuneigung.
Liebe verändert einen nicht, sie macht uns vollkommen, aber nicht zwei Hälften zueinander, sondern dich als Mensch allein. Die Liebe wird von dir nicht verlangen, dich aufzugeben, sie wird dich größer und stärker machen. Sie wird den ganzen Himmel überspannen, ganz leicht die Farben darunter intensivieren. Aber sie wird sie niemals verzerren, deine Welt, du wirst bleiben, wer du bist und weiter das Leben führen, das deinen Träumen entspricht. Sie wird nicht nur zum Moment, in dem du mehr verlangst, als Nähe.
Körperliche Zuneigung & Liebe.
Es liegt so viel dazwischen und es ist wichtig trennen zu können. Körper und Seele sind zwar untrennbar verbunden, aber sie können nur berührt werden, wenn die Seele nicht ausschließlich auf den Körper hört. Sondern die Seele in sich selber hört und wahr nimmt wie laut das Echo widerhallt, und was es ihr verspricht. Sobald diese Stimme wahrnehmbar wird, dann könnte es sein, dass man gefunden hat, was man sucht.
Ich verzehre mich nach der Liebe, doch weiß ich bis heute nicht, was sie ist, die wahre, echte Liebe und solange suche ich in den Momenten meine Erfüllung, meine Momentliebe.
Ich verurteile mich etwas selbst, ich verstehe nicht, wo dieses Gefühl herkommt, so plötzlich so unerwartet, doch auch ich hoffe jemanden zu finden, der mir auf diesem Weg eine Begleitung darstellt, eine zwischen dem ganzen Wirrwarr aus Liebe, Leidenschaft und Freundschaft. Eine, die sich mindestens genauso intensiv anfühlt, wie die Geborgenheit und das Vertrauen aus der Familie. Eine, die diesem Gefühl gleichkommt. Dieses Vertrauen muss doch noch in anderen Menschen zu finden sein?
Ich will, dass mich das Gefühl ohnmächtig macht und der Schmerz, sollte er mich je ereilen, denn eigentlich will ich diese Wesen bezogene Liebe nie verlieren, zum Sterben einladen. Das klingt übertrieben, aber wenn es so nicht ist, dann ist es nicht das, was ich suche. Alles andere zu katalysieren, was nicht das echte ist, was ich suche, ist reine Zeitverschwendung. Versuche sind legitim, aber der Punkt sollte erkannt werden, an dem es die weitere Reise zum Ziel sinnlos macht und man doch lieber einen anderen Abzweig wählen sollte.
Mir geht das Herz auf in Momenten vollkommener Leidenschaft, Kreativität und Vertrauen und wenn ich darin baden kann. Sie sind es, die mich berühren.
Ich mag die derzeitige Situation, es gibt Menschen, die halten meine Seele rein und es gibt Menschen, die meinen Körper und meinen Verstand verrückt machen. Und, so denke ich, ist diese Mischung völlig richtig, zumindest fühlt es sich so an. Solang werd ich es einfach genießen.
Natürlich frage ich mich immer wieder „Kann ich es, die Liebe, überhaupt spüren oder ist es mir vorenthalten? Bin ich auf dem falschen Weg hin zu dem, was ich fühlen will, weil es für mich keinen Weg dahin gibt?
Vielleicht finde ich sie ja? Vielleicht ist es eine hoffnungslose Suche? Ich werde sehen. Werde mich auf dieser Suche köstlich amüsieren an den Schauspielen am Rande meiner Seele, und vielleicht ist auch da das Fünkchen Liebe, was ich mir erhoffe zu sehen. Dann werde ich es mir schnappen, es bewundern, es fühlen und dann ganz viele davon in meine Seele stopfen. Und solange werde ich lächelnd zum Himmel blicken, wem auch immer, vielleicht dem Schicksal dafür danken, zu erfahren, was es heißt, den Moment zu lieben. Egal, wie kurz diese Phase ist, sie ist so verdammt schön und so wahnwitzig, verrückt chaotisch!

Der Kern dessen ist natürlich reinster Egoismus aus Liebe zur eigenen Seele. Ein Kern, der erfasst werden muss, bevor er Einfluss auf das Leben nimmt. Bevor das hier alles funktionieren kann, ohne sich in das eigene Verderben zu verlaufen.

- Nóirín -

2 Kommentare :

  1. "Ich habe da so eine Theorie, nämlich dass jeder so einen Menschen hat, an dem er für immer hängen wird – ganz egal, wie lange die Beziehung gedauert hat oder wie intensiv sie war. Wir nennen sie die Kryptonit-Menschen, weil sie wie eine Schwachstelle für einen sind. Wann immer man sie sieht oder nur ihren Namen hört, verfällt man ihnen wieder. Oder bekommt zumindest ein Stechen im Herz, weil damals alles so schön schrecklich war und auch so schrecklich schön."

    oh, wie war diese worte doch sind. danke für die inspiration, wie so oft! :)

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    1. Diese Worte von Amy Pink haben mich damals auch sehr beeindruckt. Jetzt habe ich endlich selber in Worte fassen können, wie sich mein Gefühl ausdrückt.

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