Taubheit.



Verdreht und echt diese Geschichte, Aus Freiheit und Taubheit ein neues Gefühl formend. Sehnsüchtige Melancholie, die Träne dieser Zeit.

Irgendwo am Meer hinter einer Düne dieses verzerrte Bilderrauschen.



- Wind lässt uns segeln. Hoch über dem Meer oder tief unter den Wolken. 
Der Regen kühlt die Gedanken in unseren Köpfen. Das Grau so vergänglich und unter die Haut pressend göttlich. -





Pure schwarze Linien ziehen sich durch die hellen Schatten. Die Grobheit der Haut darunter spürbar. Die Welten, die das Schwarz verbindet, unendlich weit voneinander entfernt. Umgeben von Licht und doch absoluter Taubheit. 

Die Linien scheinen irgendwie erhaben. Pulsieren oder nicht? Sie sind Bilder, einzelne Zeichnungen, einzelne Geschichten, Episode eines Lebens. Sie sind zusammen geschrieben zu einer Legende, zu einer, die des Menschen, der sie trägt. 

Sein Blick schläfrig gleitet seinen Arm hinab, innegehalten an der Uhr, deren Zeiger sich unmerklich bewegten. Nicht in unserem Takt, in einem, der die Zeit völlig anders kreisen lässt. Seine Augen ruhen, ruhen auf einer Silhouette aus filigranen Linien in seiner Handinnenfläche. Hält er diese zu gekrümmt, ist gar nicht erkennbar, was dort einen Platz erhalten hat. Doch jetzt, wo er seine Finger der anderen Hand hinüber gleiten lässt, die Hand geöffnet erkennbar wird, was dort ruht. Durchfährt ihn der Schmerz der Welt, die Traurigkeit der mit Glanz überzogenen Welt draußen vor den Fenstern der Stadt. Dieser Blick von seinem Hotelzimmer von oben herab, dieses Gefühl, es erwächst daraus, entzündet durch das Pulsieren der Linien in seiner Hand. 

Er schließt die Augen, ebenso die Finger zu einer Faust, locker, nicht aus Wut. Aus dem Gefühl, das sich in seiner Brust zusammenzieht. Diese einzelne, wunderbare Episode, dieser Schimmer an Leidenschaft, an Sehnsucht in seiner Seele, vielleicht aus dem Herzen kommend. 

Er traute sich gar nicht, dieses Bild da auf seiner Haut zu betrachten. Diese Rose, dieses völlig schräge Abbild eines Gefühls, dass er mitgenommen hatte, mitgenommen aus einer Welt, die ihn hat so schwermütig werden lassen. 

Als er die Hand wieder öffnete, glitt die einzige Träne, die sich dreist aus seinen Augen gestohlen hatte von seiner Wange und traf das lebende Bild, das die Erinnerung konservierte. Wie durch einen alten Film hindurch nahm er wahr, wie endlos zäh dieser Moment gewesen sein mochte, als er begann sich jubelnd um die Seelen schloss und verebbte, irgendwo in dem Sand, auf dem dieser Bulli stand. 

Sein Dach war gläsern gewesen, das der Himmel, der hindurch schien, zäh sich darin brechend grau. Das Weiß der Stoffe an den restlichen Glasscheiben mit feinen Mustern überzogen, gesprenkelt mit Verspieltheit. 
Sein Blick nirgends verankert, einfach blind in sich hörend, in sich wahrnehmend, was die Seele flüstert. Die Kühle, die alles umschloss. Der Wind, der leise säuselnd um die Kanten des Wagens jagte. Es war wie eine kleine, raue Melodie, wie die, die er hörte, fuhr er mit den Fingern über die Bilder auf seiner Haut. 
Dieser Moment zog sich heraus, begann zu blühen, begann die schönsten Blüten, die er jemals gesehen hatte zu treiben. Wie göttlich diese Macht sein musste, damit das in seiner Seele passierte. Dass die Sehnsucht sich verband, sich aufwog und multiplizierte. Dieses Stück Leben, dass sich in tiefe bunte Farben tauchte, förmlich triefend damit untergehen würde, würde er sie nicht durch seine Tränen erhalten, konserviert durch die schwarz-weißen Bilder auf seiner Haut. Und dann gerade, wenn man meinte, man möge zerspringen an der wunderbaren Sehnsucht in seinem Herzen, dann begann dieses Biest zu zerfallen, in seinen Händen. Deren Ränder, wie ein altes Polaroid mit Feuer angesengt abzublättern. Wie totes Nichts zu zerspringen. Die Blätter dieser Blüte gelb werdend, unter Glas nicht minder lebensfähig, trocken zu werden, hart und zerbrechlich zu gleich. Wie alte Buhlen im Meer standen sie da, doch nicht mal eine Berührung, nein sein Flüstern reichte aus, dass diese Blüte zersprang. Die Berührung seiner Seele mit den Blütenblättern zu viel für das arme Geschöpf der Natur. 
Was er anfasste, wurde schwarz. Formlos, bedingungslos, tiefschwarz. Er gab so viel von sich, doch all das, was er in sich trug, ließ all das, wonach er sich sehnte, zerbersten. Wie Gläser, die man urplötzlich gegen die Wand jagte.
Er schloss die Augen, er wollte, so schmerzhaft diese Bilder in seiner Brust keimten, sie sehen, so echt sehen, als wäre er noch immer da. Hätte diesen Moment, diese Episode nie verlassen. So verkroch er sich wieder in seine Gedanken. Überhäufte sich mit Bitterlichkeit.
So sah er sich. Sich da liegend, neben einem anderen lebenden Körper. Vielleicht ebenso verziert, vielleicht gänzlich nackt, so wie er ohne Kleidung jetzt da liegend definiert werden würde. Seine Bilder neben ihrer reinen Haut, so hoffte er, sei es gewesen.
Er hörte ihren Atem, leise, unaufhörlich aber unendlich langsam. Schlafend wohl. Seine Bewegungen waren fließend, leichtgängig, obwohl er so viel Kraft seiner Geschichten in sich beherbergte. Seine Haut war so rau, so unendlich welk, wie das Papier auf dem die Zeichnungen hätten entstehen können, doch eben das war es, was ihn dieser Traum versprach. Die Reinheit zu spüren, diese Haut als Wunsch in sein Herz zu schließen, als Traum an diese Welt der verdorbenen Reinheit. Er, dieser Funken, der nicht nur alles um sich zum welken brachte, sondern auch der, der begann die Ränder der Blütenblätter zu versenken. Oder sie ebenso rasant und urplötzlich zerbersten ließ und sie, wie bei einer Explosion auseinander trieben. Den dumpfen Ton, den es versprach nur aberwitzig wahrnehmend. 
Seine Hand schwebte über ihm Kopf, der Arm überschattete ihren Körper. Ihre Gestalten gerade weit genug entfernt, um eine Hand hindurch zu schieben, immer mit dem Zwang diesen zu verringern. Und als er ihre Wärme spürte, da keuchte er leise durch seine geöffneten Lippen, so als würde es ihn unendlich erleichtern, doch es spielte mit ihm, es würde ihn nur schwerer machen, schwerer an der Sehnsucht diesen Moment halten zu können, wie diesen gottverdammten ekligen Sand, der wie eben jedem von uns wie in einer Sanduhr durch die Finger rinnt. An seinem Herz ziehen, bis es ihm aus der Haut fiel.
Sein Atem ging schneller, nein vielleicht auch nur tiefer, sodass sich sein Brustkorb hob, als wolle er diesen unwirklichen Augenblick in sich einsaugen und für immer behalten. In sein Herz sperren oder besser in seine Seele. 
Die Bilder auf seiner Brust erhielten einen neuen Takt, schienen dadurch zu leben. So verharrt, schloss er die Augen und spürte diese Wärme, umhüllt von der Kühle des Meeres, dieser Brise, die hereinwehte. Von der Ruhe dieser Endlichkeit. Er überrollte sich selber mit diesen Gefühlen. Ging dieses Risiko ein daran zu zergehen. Erstickte sich in diesem triebhaften Willen diesen Schmerz zu fühlen, dieser Melancholie ins schwarze Wasser zu folgen.
Draußen war es so absolut. Kein Zwischenzustand. Es windet, es war grau, Regen hing in der Luft, der sich gegen die Scheiben presste. Das Meer rauschte, wie ein säuselnder Seemann leicht betrunken und der Sand unter den Rädern nahm gutmütig auf, was aus dem Rost und dem Patina verzogenen Metall an Geschichten heraus sickerte und bewahrte es auf. Rost, wie blutigen Flecken auf dem hellen Sand. Nur für sich allein, niemals verratend, was für Träume sich hier schon die Hand gegeben hatten. Es war alles absolut und isoliert und existierte ohne, dass man es beachtete und dann, wenn man es brauchte um seine Sehnsüchte zu ertränken war es da. War es einfach da und nahm willig alles auf, was man in es hinein schreite, brüllte wie eine Bestie, um dann wimmernd in sich zusammenzusacken. Es nahm… es fing es einfach auf.
Und wenn wir uns erholt hatten, dann schickte es unsere Gedanken auf die Reise, dort wo sich der immer dunkelgrauer werdende Horizont mit dem fast schwarzen Wasser traf. Als ob die Tränen des Himmels das Glas randübervoll gemacht zu haben schienen. Doch es hielt, hielt stand, einfach so.
Seine Hand schwebte über der rosigen Haut, die Wange, sie war wundervoll und führte zu Lippen, die er nur erahnen konnte, sie versteckte all das unter einem Bündel gräulicher Haare. Verrückt, nicht des Alters wegen, der Umstand, das sie Jahrhunderte jünger war als er, wies nur darauf hin, dass es ihr Wille war, Haare in der Farbe des allen einnehmen Nebels, der aufzog, zu tragen.
Den Kopf in den Nacken legend spürte er ihren Atem, so zart, so langsam schleichend über seine raue Haut, dass er zerspringen möge aus dem Zittern, das sich aus seiner Mitte ausbreitete. 
Doch er ahnte, es würde die Blütenblätter nur noch mehr versengen. Doch er wollte das, genau das, dass dieser Moment zerging, im Angesicht seiner Sehnsucht. Er wollte dieses Gefühl, etwas Vergängliches ganz kurz zu besitzen und dann gehen zu lassen, an sich reißen. Er wusste es war vergänglich, er wusste, nur dieses einmal und er wollte es. Er ging diesen schmerzhaften Deal ein, nur damit er einmal diesen Hochmut, diesen Höhenflug, wie Ikarus gen Sonne, erleben durfte. 
Unwillkürlich wagte er es, seine Haut auf ihre rosige Wange gleiten zu lassen, langsam jedes Stück, dass er ihr näher kam, ließ die Blüten verbrennend schwarz werden. Augenblick um Augenblick wurden ihre Flächen kleiner. 
Doch so sehr, wie sein Körper nach diesem Schmerz gierte, dieser Sehnsucht Träume schenken möge, wollte er ihn erleben, diesen Moment, wenn unschuldige Reinheit, raue Melancholie traf.
Diese raue Stimme, die ihm entfuhr, als er wie vom eigenen Blut getroffen, seinen Atem in seiner Lungen rasseln hört, weil er sie anhielt und sie sich die Wände gegen seinen Brustkorb drückten, gar zu bersten drohten, dieses Rauschen in seinen Ohren anstieg, wie die tiefen Töne des Meeres, und das Zittern haltlos in Wellen über seinen Körper ging. Es war ein Seufzer, qualvoll, leidend doch mit so viel goldenem Glück überzogen, das er lächelnd zu weinen begann. Einer neuer Endlichkeit in sich bewusst.
Seinen Körper lautlos, wie eine Raubkatze neben ihren platzierend, die Hand auf ihrer Wange, legte er den Kopf in die weißen, Blümchen verzierten Polster um ihrer noch näher zu sein. 
Und er fühlte, wie die ersten Blüten abgebrannt zu Boden fielen. 
Doch er spürte auch ihren Atem, der ihren wunderbaren Duft mitnahm und seine Sinne betäubte. 
Unwillkürlich begann er zu säuseln, in den Himmel wandernd musste es sich für die Möwen, wie eine kleine summende Melodie angehört haben. Ein wohl ebenso salzig Triefende, wie das Wasser das sich gegen den Strand und die Düne trieb, den Duft vom Winde verwehrt alles einhüllend. 
Definitionslos in der Zeit hängend. Noch lebte diese Blüte, irgendwie, auch wenn ihr schon zahlreiche Blütenblätter fehlten. Ihre Mitte grau anlief, die Wärme der verbrennenden Blätter zu groß. Die Asche, die sich sammelte, fast weißes Grau werdend, wollte er es sammeln in einem Glas und begann es damit erhalten. Darin konnte es leben. Konserviert und erstickt in sich selber leben.
Er schob das Grau ihrer Haare zu Seite, sah dieses Gesicht, sah diese Lippen, diese Farbe, diese so unschuldige Farbe, die ihn einlud, verdorben zu werden. Er wusste, auch sie würde unter seinen Händen welken, wie das Papier, was er beschrieb, diese Haut, auf der er die Bilder sammelte, an seinen eigenen Körper geheftet. Doch er wollte es riskieren, wollte dieses Tränen, die er weinte um sie. 
So umhüllt von ihrer Wärme verringerte er dieses sträubende Verlangen zwischen ihnen und ergab sich dieser Sehnsucht in ihm. Sein Kopf ihrem unendlich nah, verharrte er, bevor er in zähen Atemzügen und blinden Blicken aus seinen grauen Augen diesen Kontakt ihrer Lippen schenkte. 
Und mit einem Mal, da wo die Blätter wie Asche zu Boden rieselten, verklebten plötzlich die Restlichen und sackten in mehreren Schichten zusammen, um an den Rändern schwarz hinab zu segeln. Und da als er spürte, wie ihr Widerstand schwand und ihre Hand in seiner Freien zur Ruhe kam, um gleich darauf mit Inbrunst Druck auszuüben, keuchten seine Lungen nur noch Staub seiner Realität hinaus. Ihre Unschuld, die seine raue Haut umgebend einnahm. Er musste stöhnend sein Säuseln unterbrechen, um nicht ohnmächtig zu werden. 
Die Dämmerung umhüllte diesen Moment, wie Wolken den Himmel, wenn es zu regnen begann. Der Regen, seine immer noch monotone Melodie unter die des Meeres schiebend, verharrte er zäh und gefühlsbeladen und tonnenschwer in dieser körpernahen Stimmung. Er ließ diese Sehnsucht in seine Melancholie tropfen, nur um zu sehen, was passierte, nur um zu erfahren, wie es sich anfühlte, wenn sich das Herz selber zerteilte. Die Seele unter dem Overload zerriss. 
Die einst wunderbar prächtigen und zarten Blüten waren nur die Kopie ihrer Wahnsinn eintreibenden Lippen, die nun so halb geöffnet auf seinen Lagen. Der Kontakt ihrer Haut in ihm ein Fieber auslösend. Einen Traum, der ebenso wie die Blüten dieser Rose schwarz zu werden drohten. 
Armer Mann, wie kannst du dich nur mit dem Wissen erniedrigen, zu erlauben, zuzusehen, wie etwas vergeht, was du liebst? - Weil manchmal die Asche mehr konserviert. Einfach mehr zu tragen schafft. 
Die Zeit stand still, jede Uhr hätte freiwillig stillgestanden, ob dieser verdrehten Welt in seinen Augen. Sein Keuchen überschlug sich mit seinem Herzschlag, zulange hatte er die Luft angehalten. Seine Augen liefen an, wie die Scheiben des Wagens. Tropfen perlten daran langsam herab, seine Wangen ebenso kühl und benetzt. Er konnte nicht mehr, übergab sich innerlich an diesem Gefühl, das sich von innen gegen seine Haut presste. Es ließ alles taub werden. Taub, aber so wunderbar vergänglich - zerreißend wahnsinnig ermüdend. Er fand keine Bilder für diesen Moment, keine lebenden Gedankenfotografien. Sein Herz schlug unrhythmisch, wie ein alter Motor, der nicht mehr alle Kessel zum Zünden nutze. Sein Körper schwach werdend, sackte er in die Kissen. Sie fühlten sich plötzlich an wie die grauen, beladenen Wolken da draußen, wie diese ganze Welt 
plus diese Regentropfen auf seinen Wangen. 
Plus dieses Bild, das er in seine Gedanken stopfte. 
Plus diese Haut, dieses Gefühl auf ihrer zur ruhen. 
Plus dieser Schmerz in der Brust. 
Plus all das hier, dass sich so nah in seiner Welt befand. 
Seine Augen starrten nun an ihr vorbei, raus aus den Fenstern, vorbei an den Tropfen hinein in das Grau, das sich melancholisch in seinen Augen spiegelte. Sie nahmen eine andere Farbe an, füllten sich mit dem milchigen Dunst, so als ob er plötzlich erblinde, ebenso wie die Taubheit in seinem Körper, dieses Gefühl, wenn zu viel, was purer nicht sein könnte, durch die Haut zu drängen versucht. Kein Platz mehr lässt sich zu bewegen, dass versucht dich zu berühren und dich überlädt, dann wird man taub, blind und atemlos. Plötzlich nur noch eine Hülle, die sich selber überschüttet und randvoll füllt. 
Die Stimme rau und verzerrt unternahm sie wankend einige Gehversuche, doch nichts Stimmiges brach aus ihm heraus. Nur zitternde Tränen, die den Stoff benetzten.
Da erhob er sich. Wie ferngesteuert. Schob lautlos mit dem Fuss die Tür auf. Wartend vor der Tür schob sich der kühle, von Traurigkeit ermüdete Wind hinein, lauter säuselnd als zu vor, sich unterhaltend mit den Wellen und dem Regen peitschend die Stimme verbietend. 
Seine Füße berührten den Sand, noch immer gefühllos. Noch immer überladen. Doch sie funktionierten. Taten ein paar Schritte Richtung Meer. Und da spürte er plötzlich den spitzen Regen, spürte, wie der Wind seine gewaltige Kraft demonstrierte. Blies ihm hart ins Gesicht, umhüllte die Bilder auf seinem Körper mit schmerzhaften Erinnerungen, dem Ziehen, was ihn überkam, holten ihn die Bilder ein. Der Regen drückte sich gegen die Linien, ließ sie heiß pulsieren. 
So wie er auf seine Füße blickte, die Linien immer präsent schwarz erhaben, die aus der Hose hinaus schauten, die Bilder jedes Mal erkennend, hob er den Kopf und verstand plötzlich. 
Er war ein Kind dieser Erinnerung, wollte darin leben, nur noch in dieser Zeit, diesem Moment. In dieser Träne, die gerade an seiner Wange hinab rann. Er schloss die Lider über die blinden Pupillen, erwartet noch einen Schauer der Melancholie, doch diesmal begann er einfach zu weinen, begann einfach seinem Fieber zu erliegen. Und als er da so stand, die kratzenden Regentropfen auf der Haut und den beißend Wind unter ihm, da fühlte sich das zu abartig an, so neben sich stehend, sich beobachtend, aber eben auch so dermaßen vergänglich. 
Er ballte die Fäuste. Suchte einen Ausweg seinem rasendem Atem einhält zu gebieten, doch seine Brust hob sich immer stärker gegen den Wind, während er sich gedankenlos antrieb weiter Richtung Meer zu traben. So blind merkte er nicht, dass er nun schon bis zur Hüfte im viel zu kalten Wasser stand. Fast schwarz, fast tosend still umgab es ihn. Erst als es ihm die Lungen kalt zusammen presste, öffnete er die Augen. Sah in das schwarz, das am Ende mit dem Grau am Himmel tanzte. Er begann zu lächeln. Fühlte diese Abartigkeit dieses Bildes. Diese scheinbare Umarmung des Graus mit dem Meer, dieser Tanz, der so meilenweit von einander stattfand, aber sie doch im selben Takt ihre Gemüter um einander wickelten. 
Er erlangte seine übermütige Taubheit zurück, fühlte seinen Körperausmaße wieder. Fühlte diese Kälte, die nach ihm Griff. Sein Verstand schrie ihn an sich zu bewegen, brüllte das er sich doch gottverdammt zurück zum Bulli bewegen sollte. Doch seine Hülle war ihm egal, seine sterbliche Hülle und seine Bilder seine Erinnerungen waren ihm egal, wenn er diese für immer ∞ behalten durfte.
Es peitschte um ihn herum die Gicht umher, vermischte sich mit dem Regen und schlug ihm ins Gesicht, mehre Male so heftig, dass er zurückweichen musste. So schwankte er und dabei geriet ihm der Bulli wieder ins Blickfeld. Er beäugte dieses Bild, legte von außen begutachtend den Kopf schief, so als hätte er all das geträumt, was noch eben seine Sinne benebelt hatte. Doch als er spürte, dass diese Erinnerung wie Sand durch seine Finger zu rinnen begann, wie Glasscheiben in seine Seele schnitt, begann er zu rennen, begann gegen das Schwarz, was seinen Körper umhüllte zu rennen, gegen diesen Schmerz des Abschieds. Gewalt gegen Gewalt, er musste siegen. 
Als seine Haut das Metall berührten und er atemlos keuchte, sah er sie wieder. Dösend zwischen den Laken.
Die Blüte zwar schon angesengt, aber irgendwie war noch immer genug von ihr übrig, dass er ihren Duft wahrnahm. So betörend schwermütig. Eine pure Reinheit war es gewesen.
Wie er eben hinausgegangen war, schob er die Tür wieder auf, ergriff seine Sachen und hüllte seine Legende wieder unter einem reinem, weißen Hemd ein, unter dem man nur noch an den Manschettenrändern die schmerzlichen Bilder sah. Seine Hände erzählten doch genug unfassbare Geschichten. 
So saß er auf den Stufen der Tür, schob den letzten Knopf durch die Öffnung und war bereit zu gehen, wohin auch immer.
Wäre er nicht so taub gewesen, hätte sich nicht freiwillig der Blindheit ergeben, hätte er längst gespürt, dass ihre Arme seinen Körper umhüllten, bereit ihn eben nicht gehen zu lassen. Ihn wieder zu sich zu nehmen, zu vergeben, woran er auch immer zu tragen hatte, nur ihn und sein Gefühl zu sehen, seine raue, betrunkene Melodie. Erst als ihre Hand auf seinem Arm entlang glitt und sein Blickfeld streifte, bevor sie auf seiner Hand zur Ruhe kam, spürte er ihre Wärme, ihren Duft, seinem so nah und der Atem, wie er durch seine Haare fuhr. Er drehte sich zur ihr. Sein Blick leer, doch seine Mimik eindeutig Fragen an sie richtend. Wie konnte sie nur wollen, wie konnte sie nur diesen Schmerz, diese Vergänglichkeit wollen? Sie nickte nur, nickte, weil sie all die unausgesprochen Fragen spürte und weil sie sie alle ignorieren wollte. Alle!
Ihr Blick zog ihn zurück. Er nahm wieder Platz, schloss die Tür um das Rauschen zu dämmen. Saß, seine Arme auf den angewinkelten Knien stützend neben ihr. Ihre Hand wieder auf seiner ruhend. 
Diese Blüte lebte, trotz das sie fast gänzlich zerstört unter diesem Glas existierte, lebte sie, blühte mit auch nur diesen wenigen Blättern wie keine anderen, so stark, so blind und taub, so lebensüberdrüssig blühte sie. Wie konnte das sein? Wie konnte es sein, dass sie begann seine Manschetten wieder zu öffnen und wie konnte es sein, dass ihre Fingerspitzen begannen seine Linien auf der Haut zu erfühlen. Jede Einzelne und das so unendlich langsam, das man meinen könnte, sie wolle nichts von der Geschichte verpassen, welche die schwarzen Narben lautlos flüsterten. 
Sie nahm auf den Knien hinter ihm Platz, sagte nichts, gab sich nur ihrem Gefühl auf der Haut hin. Sie fuhr unter sein Hemd, spürte den rasselnden Atem in seine Brust. Wenig später befreite sie seine Bilder von der zu weißen, zu reinen Leinwand wieder. Er spürte ihre Blicke, doch sie waren nicht mit Vorwürfen behaftet. Sie spiegelten nur ihn wieder, nein sie nahm seine Melodie auf und begann sie mit einer Ruhe zu unterlegen. So schloss er die Augen und ließ sich von ihr leiten. Begab sich zu ihr in die Wolkenkissen, in denen schon einige seiner salzlosen, tonnenschweren Tränen gesickert waren. Sie starrte in den Himmel durch die Scheibe hindurch, er blickte, seinen Kopf auf der Seite liegend, in ihre graues Haar spürte wie ihre Fingerspitzen über seinen Armen und den Rücken entlang fuhren, spürte diese unendliche Zugehörigkeit. Da drehte sie sich auf die Seite, blickte ihn an, blickte tief in seine grauen Seelen. In diese Lupe für sein Leben, für seine Überdrüssigkeit. Doch sie lächelte, lächelte und nahm ihn ein. Legte ihren Körper plötzlich auf seinen. Ihr Kopf ruhte auf seiner Schulter, ihre Hand weiterhin in seiner. 
Gedankenlos begann sie nun selbst die Blüte zu zerfetzen? 
Er begriff nicht, denn sobald er mit einem Verstand versuchte seine Welt zu erfassen, ergab all dass keinen Sinn, keinen Halt, an dem er sich hätte festhalten können und so trieb er nun mit ihr in seinem Gedankenozean umher, den Wind und den Regen ebenso spürend, wie das Glas des Wagens gerade. Sein Kehle begann zu stocken, es war als würde sich eine Hand um sie legen, doch es war nur ihr Atem, der seinen Nacken entlang kroch und ihm Schauer über den Körper jagte. Seinen eigenen Atem nicht mehr steuernd, keuchte er unter den zusammen gepressten Lippen. Überschwänglich umarmte ihn das Gefühl von Genuss. Lockte ihn mit süßer Stimme. 
Er schüttelte den Kopf und blies in einem heftigen Stoß all die Luft aus seine Lungen, nahm sie in einen festen Griff und ließ sie luftleer so stehen. So nahm er diese Blüte unter Glas in seinen Händen mit ins Schwarz des Meeres, gleitet mit dem Segel immer weiter hinab. Hinweg zu dem tauben Grau am Ende. Weiter und weiter weg. Hindurch durch de Nuancen der Abartigkeit.
Dämmrig. 
Als er plötzlich in der Dunkelheit seines Hotelzimmers wieder erwachte. Die Finger schmerzhaft in das Bild seiner Hand drückend, kleine, rote Rinnsale sich bildeten und an seiner rauen, tief verrillten Haut vorbei sickerten, um sich in der Mitte langsam zu sammeln. Er sah, was er tat, was er mit sich anrichtet, doch er konnte nicht aufhören. Dieser Schmerz, dieser physische Schmerz macht den Psychen so abartig göttlich. Er schaute mit seinem verzerrten Blick durch die sich mit Tränen füllenden grauen Augen auf die Haut, auf dieses Bild. Es war so voll, mehr als die Anderen auf ihm. 
Bohrend. Sein Arm verkrampfte bereits, seine Finger wurden taub, seine Haut nahm geduldig auf, was er gegenstandslos versuchte in sie zu pressen. Die ersten Tropfen überholten seine Handfläche und sprangen in die schummrige Dunkelheit des Raums. Irgendwo hätte es den dumpfen Aufprall geben müssen, doch es blieb aus. So als besäße er keinen Schatten, kein Echo und keine Stimme mehr in diesem Leben. Er lebte nicht mehr in der Wirklichkeit, er träumte diese bittersüßen Alpträume, diese vergänglichen Episoden, weil sie ihn so viel mehr bestimmten, als das hier.





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